Durch mein Studium war ich intensive Lernphasen schon gewohnt, zumindest dachte ich das. Die Prüfungsvorbereitung zur bevorstehenden Sachkundeprüfung für das Konditorhandwerk gestaltete sich jedoch ganz anders als erwartet, schließlich musste ich nicht nur theoretisches Wissen in mich heineinprügeln, sondern auch BACKEN, BACKEN, BACKEN. Und das mehr, als ich es eh schon tat.

Es schloss sich eine sehr intensive Übungsphase an, in der Familie und Kollegen verstärkt als Testobjekte herhalten mussten. Natürlich war diese Übungsphase gezeichnet von Höhen und Tiefen, zum Leidwesen von Tobi, der nicht nur unsere Küche kaum noch benutzen konnte, sondern auch meine Launen aushalten musste. Je mehr Theorie ich lernte, desto mehr wurde mir klar, dass nicht alles, was ich bisher in meiner Küche praktiziert hatte, wirklich was mit dem echten Konditorhandwerk zu tun hatte. Um die Prüfung zu bestehen, musste ich also viele Sachen von Grund auf neu lernen, wie beispielsweise das korrekte Temperieren von Kuvertüre (hört sich einfacher an als es ist), die richtige Lockerung von Massen (hier kann wirklich sehr viel schief gehen) oder die Herstellung echter, deutscher Buttercreme. Die bisher von mir verwendete amerikanische Variante fand sich, trotz mehrmaligem Durchblättern des Lehrbuchs und Scannen des Stichwortverzeichnisses, partout nicht in den Lehrbüchern. Je mehr Unzulänglichkeiten ich entdeckte, desto beunruhigter wurde ich und die Zweifel wuchsen. Mein Respekt vor diesem Lehrberuf stieg mehr und mehr.

Mir war außerdem bewusst, dass ich so viel üben und perfektionieren konnte wie nur möglich, bei einer praktischen Prüfung mit mir unbekannten Geräten konnte aber doch noch alles schief gehen.

Letztendlich entschied ich mich für folgende vier Sorten:

  • Zitronen-Cupcakes mit Zitronen-Topping
  • Nutella-Cupcakes mit Himbeer-Topping für eine Taufe
  • Granatapfel-Minze-Cupcakes mit Minze-Topping für eine Hochzeit
  • Italienische Cupcakes mit Tomate, Basilikum, Parmesan und Käse-Topping

Anlässlich meines Ehrentages am 06.06.2016 backte ich die komplette Prüfung einmal durch. Wie für eine Generalprobe üblich, ging einiges schief: die Buttercreme hatte Klümpchen, sodass ich sie erst noch einmal durch ein Sieb passieren musste und die Nutella-Cupcakes sind nach dem Backen in sich zusammengefallen, da vermutlich zu viel Backpulver drin war. Ich versuchte, die Ruhe zu bewahren und nahm die meiner Meinung nach teilweise misslungenen Generalprobe-Cupcakes trotzdem mit auf die Arbeit. Das sich keiner der Kollegen über etwas beschwerte, stimmte mich etwas zuversichtlicher.

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